Aktiv-Wochen Sommer.Erlebnis.Bauernhof
Anfassen, riechen, schmecken: Drittklässler erleben Gemüse-Betrieb

An einem verhangenen Montagmorgen gegen 8:30 Uhr: Am Ortsrand von Neufahrn bei Freising steht Carolin Pflügler auf ihrem Gemüseacker. Die Betriebsleiterin trägt an diesem Vormittag „Dienstkleidung“ – sprich ein grünes T-Shirt mit der Aufschrift PFLÜGLERHOF anno 1913 und den Konturen eines Pfluges, dazu auch die Umrisse von Kartoffeln und Getreide.

Carolin Pflügler erwartet Besuch: Zwei dritte Klassen der Grundschule Fürholzer Weg aus Neufahrn bei Freising haben sich angemeldet; für rund zweieinhalb Stunden im Rahmen der Aktiv-Wochen Sommer.Erlebnis.Bauernhof. Das ist eine Aktion zum zehnten Jubiläum des Programmes Erlebnis Bauernhof.

Die Zeiger der Kirchturmuhr im Ort zeigen 8:45 Uhr. Rund 35 Drittklässler umringen Carolin Pflügler. Die stellt sich als `Bäuerin Caro´ vor. „Diesen Begriff verwende ich mit Absicht, um zu verdeutlichen, dass meine Kollegen und ich ganz normale Leute sind – also nicht veralteten Klischees entsprechen, die noch in manchem Kopf herumschwirren“, stellt die Betriebsleiterin klar. Dann geht es los, das Erlebnis Bauernhof. Und zwar mit einer Hand voll Kräutern vom Feld – darunter Schnittlauch, Petersilie, Rucola und Co.. Wer will, kann probieren und erzählen, wie Kräuter zu Hause auf den Tisch kommen: Bei dem einen als Butterbrot-Belag, bei der anderen wird damit Suppe verfeinert oder Kräuterquark zu Kartoffeln gereicht.

Gaumenfreuden durch erntefrisches Gemüse
Nach diesen Kräuter-Gaumenfreunden geht´s ans Bestimmen von Gemüsesorten: Blumenkohl und Brokkoli, Fenchel und Spitzkraut, aber auch rote Beete, Stauden– und Knollensellerie stehen auf dem Programm. Immer wieder erntet Carolin Pflügler Gemüse, schneidet es auf und verteilt das erntefrische Fingerfood; zum Beispiel einen Kohlrabi. „Ist das Salat?“, fragt eine Drittklässlerin „Kohlrabi kennen immer weniger Kinder“, so Pflügler später, „aber schmecken tut Kohlrabi fast allen!“ Mit anderen Worten: Kohlrabi bleibt vermutlich unvergessen.
Und das könnte anschließend dazu führen, dass Eltern genau diesen zartgrünen knackigen Gemüsesnack daheim reichen sollen.

Ganz bestimmt gerät auch ein anderes Gemüse nicht mehr in Vergessenheit! Dessen grüne Blätter sind bis zu 30 Zentimeter groß, die Farbe der Stängel variiert zwischen gelb-orange-rote. „Wer weiß, was das ist?“, fragt die 36-jährige Landwirtin in die Runde. Sie hält das Gänsefußgewächs – eine Verwandte der Roten Beete – in die Höhe. „Rhabarber“ schallt´s im Chor übers Feld. „Nicht ganz!“ Das ist der Moment, indem Carolin Pflügler in Absprache mit den Schulkindern die Lehrer befragt. „Die treffen auch nicht immer ins Schwarze“, verrät sie. Aber zur Ehrenrettung sei hier angemerkt: Klassenlehrerin Wiebke Marciniak kennt das Gemüse. „Das ist bunter Mangold.“

50 Erlebnisbauernhöfe allein im Dienstgebiet des AELF Ebersberg-Erding

In den vergangenen zehn Jahren – also seit Programmbeginn 2012 – haben bayernweit mehr als 313.000 Kinder und Jugendliche am Erlebnis Bauernhof teilgenommen. Landwirtin Carolin Pflügler gehört zu den teilnehmenden Betriebsleitern der ersten Stunde! Mehr als 60 Schulklassen haben bei ihr bisher Landwirtschaft hautnah erleben können. In ganz Bayern sind aktuell rund 695 Betriebe im Programm gelistet. Davon entfallen auf das Dienstgebiet des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg-Erding insgesamt 50 Bauernhöfe: jeweils 12 in den Landkreisen Ebersberg, Erding und Freising sowie neun im Landkreis München zuzüglich fünf Höfe innerhalb der Münchner Stadtgrenzen.

Gemüse von A wie Artischocken bis Z wie Zuckerschoten

Auf dem Acker zeigt Landwirtin Pflügler den Drittklässlern auch Artischocken, Lauch, Zuckerschoten und Wassermelonen. „Da jubelnd die Kinder, denn Wassermelone bestimmen wirklich alle richtig!“ Besonders freut sich Betriebsleiterin an diesem Vormittag aber über einen Schüler! Er hockt neben einer Sonderkultur, deren Blattwerk ein bisschen an Bambus erinnert. Der Junge nimmt genau unter die Lupe, was aus dem Boden herauslugt. Dann ist für ihn klar: „Das ist Ingwer.“ Den erkenne er, weil seine Mutter damit Tee zubereite.

Abwechslungsreiche unvergessliche Erlebnisse

Die Zeit auf dem Feld verfliegt; es ist jetzt schon kurz vor 11. Nachdem alle einen Blick in den Folientunnel geworfen haben, wo unter anderem Auberginen, Gurken, Paprika und Co. wachsen, stellt Carolin Pflügler noch ihre Lieblings-Helfer vor: Marienkäfer. „Die fressen für mich die Blattläuse auf, Ameisen saugen sie nur aus.“ Großes Interesse rufen übrigens auch die Kartoffelkäfer hervor. Aber gerade hat die Kirchturmuhr elfmal geschlagen. „Wenn ihr mehr Käfer kennenlernen wollt, müsst ihr wiederkommen“, sagt Landwirtin Pflügler Augen zwinkernd.

Jetzt werden noch gemeinsamen Karotten geerntet. Auch die landen als "Mitgebsel" in mitgebrachten Taschen. Und gegen 11:20 Uhr ist das Erlebnis Bauernhof zu Ende. Mit zwei Taschen voller Erntegut, vielen neuen Erfahrungen und zig bunten Erinnerungen an ein abwechslungsreiches Erlebnis auf dem Pflügler-Acker machen sich die Drittklässler der Grundschule Fürholzer Weg mit ihren Lehrerinnen auf den Heimweg.