Hecken als Alleskönner: Wertvoll für Natur und Kulturlandschaft

Hecke wird neu angelegt

Hecken und ihre Säume sind faszinierende Lebensräume. Sie bieten zahlreichen Pflanzen und Tieren Schutz, Nahrung sowie Brut- und Aufzuchtplätze. Zudem dienen sie als Winterquartiere für verschiedene Arten. Aufgrund ihrer vielfältigen Struktur entstehen auf kleinem Raum zahlreiche ökologische Nischen. „Viele hochspezialisierte Tierarten sind auf Heckenpflanzen angewiesen“, erklärt Dr. Franziska Müller-Waldeck, Wildlebensraumberaterin beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ebersberg-Erding.

Hecken als Lebensraum und Landschaftsgestalter

Hecke
Hecken und ihre Säume sind faszinierende Lebensräume. Sie bieten zahlreichen Pflanzen und Tieren Schutz, Nahrung sowie Brut- und Aufzuchtplätze. Zudem dienen sie als Winterquartiere für verschiedene Arten. Aufgrund ihrer vielfältigen Struktur entstehen auf kleinem Raum zahlreiche ökologische Nischen. „Viele hochspezialisierte Tierarten sind auf Heckenpflanzen angewiesen“, erklärt Dr. Franziska Müller-Waldeck, Wildlebensraumberaterin beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ebersberg-Erding.
Ein anschauliches Beispiel für diese enge Verbindung ist der Neuntöter. Dieser Vogel spießt seine Beute gezielt auf die Dornen von Schlehen oder Weißdorn. Doch Hecken sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch landschaftsprägend. Sie wirken als natürliche Windschutzhecken und tragen durch die Vernetzung isolierter Lebensräume aktiv zum Biotopverbund bei.

Hecken zwischen Tradition und modernem Nutzen

Hecke wird neu angelegt
Seit Jahrhunderten sind Hecken fester Bestandteil der Kulturlandschaft und erfüllen vielfältige Aufgaben in der Landwirtschaft. Früher dienten sie als natürliche Zäune, um Weidetiere einzufassen und Felder abzugrenzen. Zudem lieferten sie wertvolle Wildfrüchte und Holz und boten einen wirksamen Schutz vor Bodenerosion.
Auch heute haben Hecken eine enorme Bedeutung für den Klimaschutz. Sie wirken als natürliche Windbarrieren, bremsen die Verdunstung, reduzieren die Bodenaustrocknung und helfen dabei, Wasser in der Fläche zu halten. Darüber hinaus spielen sie eine zentrale Rolle in der natürlichen Schädlingsbekämpfung: In Hecken finden zahlreiche Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen einen geschützten Lebensraum. Diese Insekten tragen dazu bei, Schädlinge auf natürliche Weise zu regulieren und den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist ihre Funktion als Ökosystem-Dienstleister. Hecken fördern die Artenvielfalt, indem sie zahlreichen Tierarten Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten bieten. Besonders bestäubende Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge profitieren von der Blütenvielfalt vieler Heckenpflanzen und leisten so einen wertvollen Beitrag zur Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen.

Fördermöglichkeiten für Heckenpflanzungen und -pflege

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Aufgrund der vielfältigen ökologischen und landwirtschaftlichen Vorteile fördert der Freistaat Bayern sowohl die Neuanlage als auch die Pflege von Hecken. Landwirte können über die Maßnahme I88 – Anlage von Struktur- und Landschaftselementen eine Förderung von 80 % der Pflanzkosten erhalten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, für fünf Jahre eine jährliche Förderung von 40 € pro Ar für die Flächenbereitstellung im Rahmen der Maßnahme K88 zu beantragen. Für die fachgerechte Pflege bestehender Hecken gibt es die Maßnahme I80 – Erneuerung von Hecken und Feldgehölzen. Diese unterstützt gezielte Pflegeschnitte, um die ökologische Funktion der Hecke langfristig zu erhalten.
Nicht nur Landwirte, sondern auch Kommunen und Privatpersonen können Fördermittel beantragen. Programme wie die Landschafts- und Naturparkrichtlinien (LNPR) bieten finanzielle Unterstützung für Neupflanzungen und Pflegemaßnahmen. Informationen dazu sind bei den Unteren Naturschutzbehörden, Landschaftspflegeverbänden und dem AELF erhältlich.

„Da kommt wieder Leben rein“ – Heckenpflege für mehr Biodiversität und Erosionsschutz

20 Jahre alte Hecke
Ein gelungenes Beispiel für die erfolgreiche Heckenpflege liefert Landwirt Josef Blank aus Hohenbercha. Er ließ eine 120 Meter lange, dreireihige Hecke, die bereits 1995 gepflanzt wurde, im Rahmen der KULAP-Maßnahme I80 fachgerecht pflegen. „Wir wollten die Landschaft strukturreicher gestalten und gleichzeitig etwas für die Wildtiere tun“, erklärt Blank. Mit der Zeit hatte die Hecke ihre Schutzfunktion jedoch teilweise eingebüßt. Die Pflegemaßnahmen waren daher notwendig, um ihre ökologische Bedeutung wiederherzustellen. „Wir hätten die Hecke auch ohne Förderung gepflegt, aber die 3,80 Euro pro Quadratmeter sind ein zusätzlicher Anreiz“, so der Landwirt. „Und wenn sie dieses Frühjahr neu austreibt, kommt wieder Leben rein!“ Elke Schweiger, Landschaftsökologin an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), betreut das Förderprogramm fachlich und betont: „Eine nachhaltige Pflege ist entscheidend, um die ökologische Funktionsfähigkeit einer Hecke langfristig zu sichern.“ Die Heckenpflege erfolgt im Rahmen der KULAP-Förderung abschnittsweise über mehrere Jahre. Meist werden Sträucher bodennah auf Stock gesetzt, um den Stockausschlag zu fördern. Besonders Schlehen, Hartriegel und Hasel treiben bereits im ersten Jahr bis zu 1,50 Meter hoch aus. Alte, wertgebende Gehölze wie Weißdorn oder Holunder werden dabei gezielt geschont, da sie empfindlicher auf Rückschnitt reagieren.

Weitere Informationen zur KULAP-Maßnahme I80 sind auf der Website der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zu finden:

Beispielprojekt: Heckenpflanzung in Pettenbrunn, Freising

Hecke wird neu angelegt
Ein Beispiel für eine Neupflanzung liefert Landwirtin Nora Serve aus Pettenbrunn. Im November 2024 legte sie mit Unterstützung des AELF eine 250 Meter lange, dreireihige Hecke mit heimischen Gehölzen wie Haselnuss, Schlehe und Holunder an. „Für uns ist es ein Leuchtturmprojekt“, berichtet Serve. Die Förderung durch das KULAP-Programm ermöglichte es ihr, die Pflanzung erfolgreich umzusetzen. „Hecken bieten nicht nur Lebensraum für viele Arten, sondern tragen auch aktiv zum Klimaschutz bei. Ich hoffe, dass unser Projekt andere motiviert, ebenfalls tätig zu werden.“

Fachveranstaltung: Heckenpflegetag in Eching

Um das Wissen über Heckenpflege und Förderprogramme weiterzugeben, veranstalteten das AELF Ebersberg-Erding und der Landschaftspflegeverband Freising e.V. am 21. November 2024 einen Heckenpflegetag in Eching. Ziel der Veranstaltung war es, Kommunale Bauhöfe, Landwirte und interessierte Bürger rund um das Thema der Pflege von Hecken zu informieren. Franziska Dr. Müller Waldeck, Wildlebensraumberaterin am AELF Erding -Ebersberg, erläuterte die wichtige Rolle von Hecken und Feldgehölzen in der freien Natur. Julia Heidtke von der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Freising gab den Teilnehmenden wertvolle Einblicke in die rechtlichen Rahmenbedingungen der Heckenpflege. Die fachgerechte Pflege von Hecken vertiefte Elke Schweiger von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Zudem informierte Heidi Larbaoui vom AELF Ebersberg-Erding über die KULAP-Fördermaßnahme I 80, die finanzielle Unterstützung für die Heckenpflege bietet.
Die Veranstaltung bot eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen und die Diskussion über die Bedeutung von Hecken in der Landwirtschaft und im kommunalen Raum. Die Teilnehmer konnten konkrete Fragen stellen und sich über die praktischen Aspekte der Heckenpflege informieren.

Beratung und Kontakt
Für Landwirte, Kommunen und Privatpersonen, die eigene Heckenprojekte umsetzen möchten, stehen die Wildlebensraumberaterinnen und -berater der AELF´s als Ansprechpersonen zur Verfügung.